Körperorientierte Krisenhilfe für Fastiv: Traumasensibles Yoga als Baustein psychosozialer Unterstützung

Körperorientierte Krisenhilfe für Fastiv: Traumasensibles Yoga
Traumasensibles Yoga als körperorientierte Krisenhilfe für Fastiv. KI-generiertes Foto: Gabriele Rummel-Patscheider

Meerbusch, 9 Juni 2026

Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Fastiv entsteht ein neues Angebot zur psychosozialen Unterstützung von Menschen mit Kriegserfahrungen: eine körperorientierte Schulung in Traumasensiblem Yoga (TSY). Ziel des Projekts ist es, Betroffenen, Angehörigen, Lehrkräften, Helfenden sowie Yogalehrenden praktische und alltagstaugliche Möglichkeiten an die Hand zu geben, um besser mit den Folgen von Stress, Verlust und traumatischen Erfahrungen umgehen zu können.

Wissen vermitteln – Stabilität fördern

Hintergrund des Projekts ist der anhaltend hohe Bedarf an psychologischer und traumatherapeutischer Unterstützung in der Ukraine. Viele Menschen leiden unter den Folgen von Krieg, Vertreibung und Verlust, während therapeutische Hilfen nicht überall ausreichend verfügbar sind. Das Angebot setzt deshalb auf einen niedrigschwelligen und praxisnahen Ansatz: Wissen über Trauma verbunden mit körperorientierten Übungen, die helfen können, Sicherheit, Stabilität und Selbstregulation wieder aufzubauen.

Das Programm umfasst einen strukturierten Online-Kurs mit einem fachlich fundierten Einführungsteil zu Trauma, Nervensystem und körperorientierter Traumaarbeit. Darauf aufbauend wurden neun aufeinander abgestimmte Lernmodule entwickelt, die Übungen zur Stabilisierung des Nervensystems, Körperwahrnehmung, Stressregulation und Selbstfürsorge vermitteln.

Entwickelt wurde das Programm von der Heilpraktikerin für Psychotherapie und Yogalehrerin Gabriele Rummel-Patscheider, die seit vielen Jahren körperorientiert arbeitet und Menschen mit belastenden Erfahrungen begleitet. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf traumasensiblem Yoga und körperorientierter Traumatherapie. Grundlage des Projekts ist die Überzeugung, dass Wissen über Trauma sowie eine achtsame Wiederannäherung an den eigenen Körper Menschen dabei unterstützen können, nach schweren Belastungen wieder mehr Stabilität, Selbstwirksamkeit und Lebensqualität zu entwickeln.

Traumasensibles Yoga – ein körperorientierter Ansatz

Traumasensibles Yoga basiert auf Erkenntnissen der modernen Traumaforschung und geht davon aus, dass belastende Erfahrungen nicht allein über Gespräche verarbeitet werden können, sondern der Körper in Heilungsprozessen eine wichtige Rolle spielt. Im Mittelpunkt stehen keine Leistung oder körperliche Perfektion, sondern Sicherheit, Wahlmöglichkeiten und die behutsame Rückverbindung zu den eigenen Ressourcen. Der Ansatz wird seit vielen Jahren – unter anderem durch die Arbeit von David Emerson und des Trauma Center Trauma Sensitive Yoga (TCTSY) – wissenschaftlich untersucht. Studien weisen darauf hin, dass körperorientierte und traumasensible Ansätze Menschen dabei unterstützen können, Stressregulation, Körperwahrnehmung und Stabilisierung nach belastenden Erfahrungen zu fördern.

Ein besseres Verständnis für die Auswirkungen von Trauma kann zudem helfen, Menschen in Stress, Rückzug oder Überforderung mit mehr Verständnis zu begegnen – und damit auch zu einem achtsameren und friedlicheren Miteinander beitragen.

Unterstützt wird das Projekt von einem ehrenamtlich arbeitenden ukrainischen Team, u.a. aus den Bereichen Medizin und Therapie, das die Inhalte fachlich begleitet sowie Übersetzung und Vertonung unterstützt.

Die Video- und Audiomodule können zeit- und ortsunabhängig genutzt werden und stehen damit Menschen offen, die andere in belastenden Situationen begleiten oder selbst Unterstützung und Stabilisierung im Alltag suchen.

Mit diesem Projekt möchten die Partner der Städtekooperation einen nachhaltigen Beitrag zur psychosozialen Unterstützung in Fastiv leisten und einen Baustein für Stabilisierung, Selbstfürsorge und menschliche Verbundenheit schaffen.

Herzlichst

Gabriele Rummel-Patscheider